Learner Journeys

Wenn Lernen wirklich etwas verändert

Claudia: Stefan, wir sprechen heute über ein Thema, das uns in den letzten zwei Jahren intensiv begleitet hat: Learner Journeys. Ausgangspunkt war die Zusammenarbeit mit einer großen deutschen Bank. Dort hatte man bereits viele Mitarbeitende in klassischen Agilitätstrainings geschult – mit viel Theorie, aber wenig nachhaltiger Wirkung. Nach kurzer Zeit wurde klar: Wenn Lernen im Alltag nichts verändert, bleibt am Ende zu wenig hängen.

Stefan: Das traf auch bei uns einen Nerv. Wir waren mit klassischen Zwei- oder Drei-Tages-Trainings selbst nicht mehr wirklich zufrieden. Uns hat beschäftigt, wie Lernen nachhaltiger werden kann – und wie wir diesen typischen Bruch zwischen Theorie und Praxis besser überbrücken. Genau daraus ist die Idee der Learner Journeys entstanden.

Claudia: Was ist das Besondere daran?

Stefan: Im Kern geht es darum, Lernen über einen längeren Zeitraum zu verteilen. Statt einmal viel Input zu bekommen, erhalten die Teilnehmenden immer wieder kleinere Impulse, wenden sie direkt in ihrem Arbeitsalltag an und kommen dann mit ihren Erfahrungen zurück in den Austausch. So entsteht Schritt für Schritt Entwicklung – eher wie eine Reise als wie ein einmaliges Training.

Claudia: Und diese Reise ist sehr bewusst gestaltet. Wir stellen nicht einfach ein Workbook zur Verfügung, sondern arbeiten mit unterschiedlichen Formaten: Texte, Videos, Podcasts, Reflexionsfragen. Das spricht verschiedene Lerntypen an und macht es leichter, das Lernen in den Alltag zu integrieren. Manche blocken sich bewusst Zeit, andere hören einen Podcast auf dem Heimweg. Genau diese Flexibilität ist ein großer Vorteil.

Stefan: Gleichzeitig haben wir gemerkt: Nur Inhalte in kleinere Häppchen aufzuteilen, reicht noch nicht. Deshalb haben wir die klassische Wissensvermittlung von den gemeinsamen Workshops getrennt. Die Selbstlernphasen dienen dazu, sich Grundlagen eigenverantwortlich zu erarbeiten. In den Live-Sessions gehen wir dann direkt in Fragen, Übungen und Praxistransfer. Das macht die gemeinsame Zeit sehr viel wertvoller.

Claudia: Gerade der Austausch scheint für viele Teilnehmende ein großer Gewinn zu sein.

Stefan: Absolut. Viele erleben erst einmal Entlastung: Ich bin mit meinen Herausforderungen nicht allein. Gleichzeitig entsteht ganz viel Lernen untereinander. Menschen sehen, wie andere mit ähnlichen Rahmenbedingungen umgehen, holen sich Ideen und probieren Dinge aus, auf die sie allein vielleicht gar nicht gekommen wären.

Claudia: Für längere Journeys haben wir ja zusätzlich Lerngruppen eingeführt.

Stefan: Genau. Die kleineren Gruppen sind eine Art Anker zwischen den Modulen. Sie helfen dabei, dranzubleiben, Fragen frühzeitig zu besprechen und sich gegenseitig ein Stück weit accountable zu halten. Denn wir kennen das alle: Wenn Lernen komplett in die Selbstorganisation gelegt wird, ist die Versuchung groß, es im Alltag immer weiter nach hinten zu schieben.

Claudia: Besonders wichtig finde ich, dass die Journeys nicht “von der Stange” kamen. Sie sind in echter Co-Kreation entstanden – gemeinsam mit Agile Coaches der Bank, mit der internen Lerneinheit und mit unserem Erfahrungsschatz. Und nach jedem Durchlauf haben wir gemeinsam nachgeschärft.

Stefan: Ja, und genau das war entscheidend. Vieles, was heute gut funktioniert, ist erst durch Feedback entstanden: klarere Lernpfade, Lerntagebücher, vielfältigere Materialien, bessere Orientierung. Im Grunde war auch die Entwicklung der Learner Journeys selbst eine Lernreise.

Claudia: Was hat dich in den Durchläufen besonders beeindruckt?

Stefan: Die Abschlussmodule. Dort reflektieren die Teilnehmenden ihre wichtigsten Lernerfolge. Und man sieht, dass wirklich etwas passiert ist: Die einen verändern Meetings, andere ihre Haltung in der Zusammenarbeit, wieder andere klären mit ihrem Team ganz grundlegend, wie sie zusammenarbeiten wollen. Diese Vielfalt zeigt, dass Lernen nicht abstrakt bleibt, sondern in die Praxis übersetzt wird.

Claudia: Gleichzeitig gibt es auch Herausforderungen.

Stefan: Auf jeden Fall. Learner Journeys brauchen Lernkultur. Die kleineren Einheiten machen es leichter, Lernen in den Alltag zu integrieren – aber auch leichter, es untergehen zu lassen. Deshalb braucht es Unterstützung im System: Führungskräfte, die Lernen ernst nehmen und Räume dafür schaffen. Und idealerweise Menschen, die Lernbegleitung übernehmen – eher im Sinne eines Lerncoaches als eines Trainers.

Claudia: Das heißt: Learner Journeys sind kein Selbstläufer, aber sie eröffnen eine andere Qualität von Lernen.

Stefan: Genau. Sie fordern mehr Eigenverantwortung, aber sie schaffen auch mehr Wirkung. Und das Schöne ist: Man muss nicht riesig starten. Man kann klein anfangen, ausprobieren und gemeinsam lernen, was im eigenen Kontext funktioniert.

Claudia: Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft: Lernen darf sich entwickeln. Und gute Lernformate tun genau das auch.


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